2. Schachbundesliga
4. Bundesliga-Wochenende Erfurt 20.-21.02.2016
22.02.2016 - 19:05

Gut gekämpft, Chancen gehabt – und doch zweimal knapp verloren



von Thomas Casper

Am 20. und 21.02.2016 fanden die achte und neunte Runde der Bundesliga in Erfurt statt. Nach dem erfolgreichen Auftritt vor 14 Tagen wollten wir uns unseren Fans nochmals ordentlich präsentieren. Am Samstag ging es zunächst gegen Hockenheim. Wir traten mit folgender Mannschaft an:


Evgeny Romanov
Oliver Mihok
Jan Votava
Petr Haba
Franz Bräuer
Heiko Machelett
Peter Enders
Matthias Müller

Unser Gegner war als Spitzenmannschaft einzuschätzen, was sich dann auch in der Mannschaftsaufstellung niederschlug: Brett 3-10, nur Großmeister, ELO-Durchschnitt über 2600. So konnten wir den Wettkampf als klarer Außenseiter gelöst angehen.

Wir lieferten dem Favoriten ein hervorragendes Match. Allein Franz kam nicht ins Spiel und verlor chancenlos gegen Rainer Buhmann. Evgeny erfreute bzw. überraschte uns mit einem spekulativen Figurenopfer gegen den ehemaligen Schachprinzen Dennis Wagner. Als Kompensation erhielt Evgeny einen Bauernklumpen im Zentrum und auf lange Sicht Angriff gegen den unsicher stehenden weißen König. Oliver spielte eine sichere Eröffnung und wurde von seinem Gegner bis ins Endspiel bearbeitet. Jan opferte ebenfalls eine Figur und es entstand eine schwer einzuschätzende komplizierte Position. Petr gab in der Eröffnung einen Bauern, und holte sich dafür die Qualität. Heiko spielte ruhig und sicher und es war bald abzusehen, dass diese Partie remis enden würde. Peter stellte sich ebenfalls solide auf und erreichte Ausgleich. Matthias gab beizeiten eine Figur für Angriff her und es entbrannte ein zweischneidiger Kampf. Leider übersah er einen taktischen Trick und musste nach spannender Partie ziemlich frühzeitig kapitulieren. In derartigen Stellungen wird eben jeder Fehlgriff drastisch bestraft. So lagen wir alsbald mit 0:2 im Rückstand. Dann aber stellte Peters Gegner in einem ausgeglichenen Endspiel völlig überraschend eine ganze Figur ein und Evgeny führte seine Partie über eine Schwerfigurenwalze am Damenflügel zum Sieg. Heiko spielte erwartungsgemäß unentschieden und Jan erreichte verdientermaßen ein Dauerschach. Petr erspielte sich mit einem Turmopfer einen klaren Vorteil, den er leider jedoch innerhalb von 3 Zügen wieder vergab. Das minimal bessere Endspiel war dann nicht mehr zu gewinnen. Es blieben Peter und Oliver beim Stand von 2,5:3,5. Bei Peter hofften wir auf einen Sieg, auch wenn seine Endspieltechnik etwas zu wünschen übrig ließ. Bei Oliver gingen wir von einem Unentschieden aus. Dann aber verspielte zuerst Peter seinen Vorteil und musste zum Remis abwickeln. Oliver fiel letztlich auf den letzten Endspieltrick herein und verlor leider noch. Damit endete das Match aus unserer Sicht etwas unglücklich 3:5 statt eines möglichen 4:4. Schade um den ausgezeichneten Wettkampf!

Am Sonntag spielten wir gegen Griesheim. Dies war aus unserer Sicht ein Spiel auf Augenhöhe und wir hofften auf eine Punktausbeute. Leider meldete sich Heiko am Sonntag früh krank, sodass wir kurzfristig umdisponieren mussten und letztlich folgendermaßen antraten:


Evgeny Romanov
Oliver Mihok
Jan Votava
Petr Haba
Franz Bräuer
Peter Enders
Christian Troyke
Thomas Casper

Christians Einsatz war schon geplant gewesen, aber nun hatten Peter und er die „falsche“ Farbe und die ganze Vorbereitung der beiden war dahin.

Es entwickelte sich ein ausgeglichener Kampf. Evgeny spielte eine etwas merkwürdige Eröffnung, turnte ein wenig mit seinem König herum (allerdings bei geschlossener Stellung) und erreichte nicht viel. Oliver kam nach einer Abtauschserie im Mittelspiel ein Bauer abhanden und er landete wie schon am Vortag in einem Turmendspiel, in dem der Gegner unentwegt nach einem Gewinnweg Ausschau hielt. Jan konnte nicht viel gegen Stonewallaufbau seines Gegners ausrichten. Petr spielte eine bekannte Theorievariante, die, wenn der Gegner nichts will (was auch geschah) schnell zum Remis führen kann. Somit ging diese Partie sehr bald mit friedlichem Ausgang zu Ende. Franz baute sich nicht überzeugend auf, zog dann aber mit einem Remisangebot rechtzeitig die Notbremse und es wurde die Friedenspfeife geraucht. Peter spielte sein Ben-Oni, erhielt aber eine äußerst verdächtige Position im Mittelspiel. Christian erlangte in der Eröffnung wohl klaren Vorteil, setzte aber ungenau fort und sah sich plötzlich genötigt die Dame zu geben. Ich erhielt nach der Eröffnung die übliche leicht gedrückte Position. Als nächste remisierten dann Jan und Christian, letzterer unter starker Mithilfe seines Gegners, bis kurz vor dem friedlichen Ende war die Partie für Griesheim trivial gewonnen. Evgeny gewann einen Bauern, es war aber abzusehen, dass das entstandene Turmendspiel kaum zu gewinnen sein würde. Peter gelang es seine Position zusammenzuhalten und einige Bauern zu erbeuten. Dass dies ganz astrein war wage ich zu bezweifeln. Mein Gegner machte im Mittelspiel einen groben Fehler (er stellte zwei Tempi ein) und ich erreichte ein Doppelläuferendspiel mit einem Mehrbauern. So hatten wir 4 Endspiele auf dem Brett, eins schlechter (Oliver), eins mit mikroskopischem Vorteil (Evgeny) und zwei besser (Peter und ich) und die Kiebitze waren guter Dinge. Peter verlor jedoch im Lauf der Partie völlig den Faden, stellte erst ein paar Bauern ein und hatte im wahrscheinlich immer noch ausgeglichenen Turmendspiel keine Übersicht mehr und überschritt die Zeit. Damit war der Wettkampf gekippt. Evgeny machte remis, ich gewann zwar, Oliver konnte aber bei knapper Zeit sein Endspiel nicht halten. Damit ging der Wettkampf mit 3,4:4,5 verloren.

Wir haben an diesem Wochenende zweimal knapp verloren, aber zwei gute Wettkämpfe gezeigt. Mit etwas Glück wäre auch der ein oder andere Mannschaftspunkt drin gewesen. In der Schachbundesliga bekommt man aber höchst selten eine zweite Chance.


Rudolf Ruether


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