Geschichtlicher Abriss des ESK

Der Erfurter Schachklub steht als einer der wenigen aktuellen Bundesliga-Schachvereine in einer einzigartigen und langen deutschen Schachtradition. Als Betriebssportgemeinschaft (BSG) Motor West Erfurt in den 50er Jahren gegründet, führt die Traditionslinie über die BSG Funkwerk Erfurt zur BSG Mikroelektronik Erfurt in den 80er Jahren zurück an die Wurzeln nach der Wiedervereinigung. Im Jahre 1990 wurde der SV-Erfurt West 90 e.V. gegründet und stieg als letzter DDR-Meister in die Bundesliga auf.
Als „Vater des Erfurter Schachs“ gilt Heinrich Brüggemann (t). Er war über 30 Jahre Vorsitzender der BSG und Gründungsmitglied des ESK.
Um die inzwischen in ganz Deutschland verstreuten Thüringer Spitzenspieler in unseren Verein zu holen und somit dauerhaft eine mitbestimmende Rolle im deutschen Spitzenschach einzunehmen, wurde im Jahre 1998 der ESK mit seinem ersten Präsidenten Norbert Krug gegründet.
Vorsitzender des ESK ist seit dem 07.04.2000 Dr. Heiko Kieser, zugleich Hauptsponsor des ESK. Vor allem ihm ist es zu verdanken, dass in der Stadt und der Region kontinuierlich Spitzenschach auf Bundesliganiveau geboten werden kann.
In den Reihen dieser Tradition stehen national und international hoch geschätzte Namen für das Ansehen und die Leistungen des Schach-klubs. Aus einer langen Liste sollen hier einige genannt werden, die diese Einschätzung unterstreichen sollen.
WGM Elisabeth Pähtz (von ihrem Vater Großmeister Thomas Pähtz ständig trainiert und betreut) wurde 81 Jahre nach Emanuel Lasker zweiter deutscher Schachweltmeister (FIDE-Kategorie unter 18 Jahre weiblich) im Jahre 2002. Diese Leistung bestätigte und untermauerte die Großmeisterin im Jahre 2006 und wurde Weltmeisterin der U20, nachdem sie im Jahr 2004 bereits Vizeweltmeisterin der U20 wurde.
Der Vater von Elisabeth Pähtz hat große Verdienste für das reiche Schachleben in der Region, im ESK und für den Nachwuchs, vor allem aber auch als Trainer und Erfolgsgarant für seine Tochter.
GM Thomas Luther wurde dreimal deutscher Meister (1993, 2002, 2006). Er spielte jahrelang in der Nationalmannschaft und erspielte mit
dem besten Einzelergebnis der Mannschaft eine Silbermedaille bei der Schacholympiade 2000, die im Jahr unseres zehnjährigen Bestehens nunmehr in Dresden stattfindet und für uns alle einen besonderen Anreiz und Ansporn bietet.
Unbedingt in diese Phalanx gehört Großmeister Peter Enders, der schon als Elfjähriger (damals noch bei Lok Naumburg) die Weltmeisterlegende Michael Tal in einer Simultanpartie schlug. Er steht geradezu für den Schachstandort Erfurt. In „Schach“ Nr. 1/2003 kann man auf Seite 34 lesen:
„Erfurt hat für eine Stadt mittlerer Größe ein sehr reiches Schachleben. Es gibt nicht überdurchschnittlich viele Schachspieler, allerdings ist das Niveau insgesamt sehr gut. Das zeigt sich schon daran, dass wir eine Bundesligamannschaft haben, die praktisch nur aus Spielern besteht, die in Erfurt wohnen. Thomas Pähtz war in seinen besten Zeiten ein sehr starker Spieler. Jetzt hat er gezeigt, dass er auch ein hervorragender Trainer ist. Seine Tochter ist sehr erfolgreich. Nie zuvor hatte ein deutsches Mädchen im Schach überhaupt einen internationalen Erfolg. GM Henrik Teske hat ebenfalls sehr lange in Erfurt gespielt.
Jeder kennt GM Peter Enders. Ich glaube, Peter ist immer noch der Einzige, der alle drei deutschen Einzeltitel im Normal-, Schnell- und Blitzschach im selben Jahr gewonnen hat“.
Solche Stammspieler des ESK in der höchsten Spielklasse des DSB wie z.B. der vorgenannte GM Peter Enders, die IM Thomas Caspar und Matthias Müller verstärkt mit den jungen IM Heiko Machelett und Christian Troyke sichern ein hohes Ansehen des Klubs und geben ihm ein spezifisches regionales Gepräge.

Während sich andere Spitzenschachklubs mit ausländischen Spielern und internationalen Großmeistern überrüsten, teilweise zu 100 % der Aktiven an den acht Brettern bzw. in der Aufstellung der 14 Mannschaftsmitglieder enthalten, müssen andere Vereine (zum Teil noch in der laufenden Saison) das Handtuch werfen, meist aus finanziellen Gründen. Wir wollen und können uns der Globalisierung auch im Schach nicht widersetzen. Wir wollen aber durch Tradition und Zusammenhalt ein überregionales Spitzenschach als Alternative mit dem Anspruch des Beständigen und mit begrenzten Mitteln bieten.
Der ESK mit seiner über eineinhalb Jahrzehnte währenden Zugehörigkeit zur ersten und zweiten Schachbundesliga hat bewiesen, dass man mit bescheidenen Mitteln regionales und nationales Spitzenschach bieten kann, dass sich unsere Gäste immer wohl fühlen und anerkennend aussprechen. Der ESK gewährleistet seinen Schachkonkurrenten ein hervorragendes Ambiente im Wettkampf und außerhalb dessen.
Seit 1987/88 ist die Tennisanlage mit Schachzentrum am Nettelbeckufer die Spiel- und Trainingsstätte des ESK.
In der Regel sind fünf Herren- und künftig zwei bis drei Jugendmannschaften im Spielbetrieb in den Klassen Bundesliga, Oberliga (Thüringenliga), Bezirksliga und Bezirksklasse.
Die erste Mannschaft hat ihre Pflichtspiele in ausgewählten Spielorten mit besonderem Ambiente, z.B. in Victor’s Residenz Hotel, im Erfurter Hof oder den Stadtwerken Erfurt.
Die erste Mannschaft ist das Spiegelbild und Aushängeschild des ESK. Sie schaffte in der Stammbesetzung Jan Votava, Petr Haba, Robert Kuczynski, Heiko Machelett, Matthias Müller, Thomas Casper, Peter Enders und Christian Troyke sowie den Einwechselspielern

Bernd Vökler und Joachim Brüggemann den Wiederaufstieg in die erste Bundesliga der Spielsaison 2007/2008 mit einem glatten Durchmarsch und dem zweitbesten Ergebnis aller 40 Mannschaften in den vier Staffeln der 2. Bundesliga. Am 24. /25.11.2007 ist die 3. und 4. Runde, am 09. und 10.02.2008 die 8. und 9. Runde der Bundesligasaison 2007/2008 im wunderschönen Spielsaal im Victor’s Residenz Hotel in Erfurt zu Gast. Alle Schachinteressierten und Sponsoren sind herzlich willkommen und können uns unterstützen.

Die erste Mannschaft des ESK wird nun verstärkt mit dem neuen Klubmitglied Martin Krämer, ein Erfurter Urgewächs vom SV Medizin, der bei den SF Berlin als Jugendspieler in der 1. Bundesliga der Saison 2006/2007 in dreizehn Partien 6 ½ Punkte holte und damit manchen Großmeister hinter sich ließ.

In der Saison 2007/2008 kommt eine äußerst schwere Aufgabe im zehnten Jahr des ESK auf die erste Mannschaft zu. Es gilt in der anerkannt schwersten Schachliga der Welt zu bestehen. Wenn man vom Weltmeister Kramnik und GM Topalov (2. und 3. der Weltrangliste vom 01.04.2007) absieht, spielt fast alles was Rang und Namen im Weltschach hat, allen voran GM Anand, der die Rangliste anführt, in der 1. Bundesliga. Diese Klasse am Ende der Saison zu halten kann utopisch erscheinen. Aber mit der vorgenannten Schachphilosophie und den Tugenden des ESK ist nichts unmöglich und die Mannschaft wird keinen Kampf von vornherein aufgeben.

Natürlich braucht die Mannschaft das intakte Hinterland. Hier sind vor allem die Familien und die Sponsoren wiederum gefragt. Man kann ihnen allen nicht genug danken, leisten sie doch seit Jahr und Tag einen existentiellen Beitrag. Allen voran die Partner und Freunde der Spieler. Für die finanziellen Voraussetzungen sorgen ebenfalls zuverlässig seit Jahren die Sponsoren des ESK, allen voran der 1. Vorsitzende und Präsident des ESK, Herr Dr. Heiko Kieser.

Das Außenbild des ESK wurde über die Jahre von FM Bernd Vökler (der als Bundestrainer für den Nachwuchs tätig ist) und dem Redakteur der „Thüringer Allgemeine“ Axel Eger treffend gestaltet. Letzterer erhielt dafür die höchste nationale Schachauszeichnung, den „Deutschen Schachpreis“. Beiden sei wiederum herzlich gedankt.

Wir sehen unsere Reserven in der Gewinnung weiterer Sponsoren der Kontinuität der Nachwuchsarbeit einschließlich Qualitätssicherung der weiteren Systematisierung und Intensivierung des Trainings der stärkeren Präsenz in den ELO-Listen der weiteren Festigung des Zusammenhaltes innerhalb der Mannschaften in den einzelnen Spielklassen und im Ausbau vereinsspezifischer Höhepunkte wie die Arbeitseinsätze zur Pflege des Spiellokals und anschließendem geselligen Beisammensein (Grillparty), des jährlichen Sekt-Blitz-Turnier zum neuen Jahr.

Uns ist klar, ein Schachklub wie der unsrige mit der Kombinations - Strategie Schach und Beruf - hat gegen Vereine auf Basis professionellen Schachs keinen Anspruch auf Gleichwertigkeit, wohl aber auf Klasse, gutes Klima und Format. Dieses Selbstverständnis und die freudvolle engagierte Arbeit begleiten uns und bereiten den Weg für unsere Ziele und Talente.
Wo wir uns vorher schwer taten, haben wir einen Durchbruch erzielt und die Nachwuchsarbeit systematisch organisiert. Dank der Schachfreunde Horst Feit und Gregoriy Streltsyn sowie Joachim Brüggemann als Betreuer und Trainer sind gute Erfolge in den U-Klassen zu verzeichnen. Stellvertretend soll hier der sechszehnjährige Edmund Fried genannt werden.

Wir wollen den Schwung in Vorbereitung und Auswertung der Schach-Olympiade 2008 in Dresden nutzen, um unsere Nachwuchsarbeit weiter zu aktivieren.
Im ESK stehen die Nachfolger der Doppelweltmeisterin Elisabeth Pähtz und eines Martin Krämer, der in der kommenden Saison am Spitzenbrett spielt, schon in den Startlöchern.
Außer den bereits genannten gilt der Dank dem Vorstand des ESK, dem 2. Vorsitzenden Joachim Brüggemann, der über 15 Jahre als erster Präsident des Thüringer Schachbundes dessen Geschicke leitete. Weiterhin danken wir dem Schatzmeister Dr. Gerd Stübner, dem Rechtsbeistand Rechtsanwalt Gerd Lenuzza, dem Leiter der Nachwuchsabteilung Horst Veit und der Schriftführerin Doreen Troyke. Sie gehören zu den tragenden Säulen des ESK, wie auch die langjährigen Mannschaftsleiter Thomas Casper, Bernd Vökler, Matthias Müller, Doreen Troyke, Karl-Heinz August, Christian August, Ronald Steinacker und Ralf Fischer ohne die nichts funktionieren kann. Die Basis aber bilden unsere treuen Mitglieder und die unsichtbaren fleißigen Helfer, denen mit dieser Schrift ein besonderes Denkmal gesetzt werden soll. Stellvertretend für alle ESK – Mitglieder soll hier Christian August als vereinsältestes Mitglied stehen.
Lessing sagte einmal: „Schach ist für Ernst zu viel Spiel und für Spiel zu viel Ernst:“ Egal, wir lieben Schach, weil es Elemente von Spiel und Sport, Kunst und Wissenschaft vereinigt, weil es anregend und spannend ist.
Der ESK will gerade wegen seines 10jährigen Bestehens dieses herrliche Spiel im Sinne der olympischen Ideen mit vielen anderen Vereinen und Schachfreunden weiterhin pflegen und befördern.

Unser besonderer Dank gilt dem IKL Training GmbH Erfurt für die aktive Mitarbeit und Gestaltung dieser Schrift.



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